Wiener Zeitung: Interview mit Norbert Gastell


Synchronsprecher von Homer Simpson und Schauspieler

26.11.2009
21:42 Uhr

Zum 20-jährigen Jubiläum der Simpsons führte der schweizer Radiosender "Energy" ein Interview mit Norbert Gastell.Die Wiener Zeitung hat ein Interview mit dem beliebten Synchronsprecher Norbert Gastell gehalten.
Er spricht seit Beginn der gelben Serie Homer Simpson.

Wiener Zeitung: Sie klingen ja gar nicht wie Homer Simpson. Verstellen Sie sich da bewusst?

Norbert Gastell: Normal spreche ich ganz anders, den Homer chargiere ich. Und das zu meinem Glück! Hätte ich das nicht getan, wäre ich für sämtliche anderen Produktionen gestorben gewesen.

Wiener Zeitung:Vor 20 Jahren war Start der Simpsons in den USA. Haben Sie damals erwartet, dass das so ein Welterfolg wird?

Norbert Gastell: Überhaupt nicht, denn wenn man das zum ersten Mal sieht, ist es ja gewöhnungsbedürftig.

Wiener Zeitung: Sind Sie eigentlich ein Fan der gelben Familie?

Norbert Gastell: Ich habe mich dran gewöhnt und ich mag sie. Am Anfang dachte ich, Homer der geborene Verlierer ? aber genau das macht ihn ja so sympathisch.

Wiener Zeitung: In der englischen Version hat Homer eine sehr tiefe Stimme, Sie legen ihn im höheren Bereich an.

Norbert Gastell: Ja, ich leg ihn höher an. Ich weiß nicht, der sah einfach so aus.

Wiener Zeitung: Ist es eigentlich leichter, Zeichentrick zu synchronisieren?

Norbert Gastell: Nein, es ist schwerer. Wenn du lebende Menschen synchronisierst, atmen die ja mal. Beim Zeichentrick sind die Reaktionen so abrupt, was es schwieriger macht.

Wiener Zeitung: Wie lange dauert es, bis eine Simpsons-Serie synchronisiert ist?

Norbert Gastell: Ich nehme an zwei, drei Tage. Dadurch, dass ich in München allein vor dem Mikro stehe, kann ich das nicht beurteilen. Die Marge (Anke Engelke) wird ja in Köln aufgenommen. Da muss dann der Regisseur sehr vif sein, dass das alles zusammenpasst.

Wiener Zeitung: Etliche Figuren haben über die Jahre andere Stimmen bekommen. Das irritierte viele.

Norbert Gastell: Ich weiß. Uns sind zum Beispiel drei Opa-Simpson hintereinander gestorben. Da kannst halt nichts machen. Das war ja der schöne Gag unseres Regisseurs damals, der hatte nach dem Tod des dritten Opas die Idee, dass ich auch diese Stimme übernehme. Sag ich: "Ich nicht. Ich wollt noch ein bisschen dableiben!"

Wiener Zeitung: Sie sind vor kurzem 80 geworden. Wie lange haben Sie denn noch vor, den Homer zu machen?

Norbert Gastell: Tja, noch lange. Als Homer bleibe ich ja immer 38 (lacht) . Und die Stimme ändert sich nicht. Das Ganze macht ja auch Spaß.

Wiener Zeitung: Inhaltlich hat sich die Serie mehr zum Gesellschaftskritischen verändert. Eine positive Entwicklung?

Norbert Gastell: Sie ist im Großen und Ganzen eine Verscheißerung des American Way of Life. Das macht sie aber auch für Ältere interessant.

Wiener Zeitung: Haben Sie einen Lieblingsspruch?

Norbert Gastell: Homer hat eigentlich keinen besonderen Spruch, der immer wieder kommt. Außer das "Nein!" oder dieses "Juhuuu!"

Wiener Zeitung: Was machen Sie lieber: Synchronisieren oder Schauspielen?

Norbert Gastell: Am liebsten spiele ich Theater, denn auf der Bühne spielst du an einem Abend einen Bogen durch. Während beim Synchronisieren wie beim Filmdreh immer bloß die Szenen aufgenommen werden.

Wiener Zeitung: Jetzt wird in den USA diskutiert, ob Homer nicht im Sinne der Volksgesundheit abspecken und auf seine Donuts verzichten soll?

Norbert Gastell: Hihihi (lacht wie Homer) . Das glaube ich nicht. Seine Fehler sind ja das Plus. Den zu verändern ? nee! Wie bei uns jetzt die Wahl war, gabs die Sprüche im Internet: "Wählt mich: Ich bin für mehr Busen und für mehr Bauch!"

Quelle: WienerZeitung.at
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ben
toll
04.09.2012 - 19:20 Uhr

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